Habanera

Große Fahrt in kleinen Schritten

14.05.2009 Donnerstag

Und wieder läutet der Wecker um 05.00 Uhr. Heute soll die Küche weiß werden. Mit Farbe im Topcoat sieht man schön, wie dick die erste Schicht ist. Bei den vielen Ecken und Kanten tropft allerdings vieles daneben, da die Rollen solche Einsätze nicht schätzen. Mittags wird die Bohrmaschine zur Schleifmaschine umfunktioniert und die Stifte der Schranktürscharniere von ihrer Patina befreit. Und dann die Nachricht des Tages: Die Ausfahrt ist frei, Hektik bricht aus. Vier Boote wollen heute noch raus. Sie kreisen vor der Schleuseneinfahrt und warten auf das Fax, welches die Marinaleitung von einer übergeordneten Behörde erwartet. Gegen 18.00 Uhr ist es dann soweit, Die Nordlicht, die Lace, die Greta und der Bastjäner verlassen uns. Richtig ungewohnt ist der Anblick der freien Plätze.

Haben wir schon von den verrückten Fischen hier erzählt? Immer wieder springen sie aus dem Wasser. Manche mehrmals hintereinander. Abhängig von ihrer Größe ist das Platsch beim Eintauchen unterschiedlich laut. Manche üben wohl für Olympia und springen über die Längsleinen in den Boxen. Andere sind etwas dämlich und springen gegen Schiffswände. Das würde die nächtliche Geräusche erklären, die wir uns bislang nicht erklären konnten. Jede Nacht schlägt mit einem dumpfen Ton mehrmals etwas gegen die Rümpfe. Teilweise beginnt der Kat davon zu schwanken, was bei seiner Größe schon erstaunlich ist. Wir hatten schon illegale Aktivitäten irgendwelcher Taucher vermutet. Zumal in einer Nacht tatsächlich ein narrischer durch die Steganlage getaucht ist. Vermutlich hat er Muscheln von den Pfählen gekratzt.

13.05.2009 Mittwoch

Aufstehen um 05.00 Uhr. Das Topcoat liebt di kühle Morgenluft, wir nicht so ganz. Der Schrank im Navieck erhält einen Innenanstrich. Das Auftragen des Topcoat in zwei Schichten ohne Farbe bereitet mir Probleme, da ich die Dicke der ersten Schicht nicht einschätzen kann. Zudem erfordert das Streichen der Decke und der Innenseite der Vorderwand vor allem der zwei engen Schrankabteile wieder akrobatische Verrenkungen. Der Rest des Tages vergeht mit Umräumen und dem Rückbau der Einlegeböden in den Schrank. Da der Teppich an den Seiten fehlt sind die Auflageleisten an den Seiten zu schmal, die Einlegeböden fallen durch. Ich darf also neue Auflageleisten basteln. Zum Glück haben wir noch etwas eigentlich entsorgtes Holz auf dem Steg liegen, welches passt. Am Abend wird noch die Küche verklebt, um morgen gleich mit dem Auftrag des Topcoat beginnen zu können.

 

12.05.2009 Dienstag

Trotz des gestrigen langen Arbeitstages blieb genügend Dreck, um auch den heutigen mit Putzen zu verbringen, unter anderem der Werkzeuge. Der Winkelschleifer offenbarte dabei ein Innenleben, das praktisch vollständig von GFK-Staub ausgefüllt war. Unglaublich, dass der so bis zuletzt durchgehalten hat. Er und die Topfbürste dürfen ihren Ruhestand antreten und werden für diesen Zweck hoffentlich nie mehr benötigt. Mein Overall, der nicht einmal durch früheres wiederholtes Waschen sein Glitzern verlor, wird aufgegeben. Als Trophäe liegt er neben den Mülltonnen über der Hecke, worauf Hartmut zu Carola meint, ob ich tatsächlich vom Schleifen so platt geworden und in die Hecke gefallen wäre. Zwischendurch ist nach Einkaufsfahrt. Da inzwischen viele Besatzungen in der Marina leben, muss Valentino auf Geheiß seiner Chefin Maria zweimal fahren. Er hat nichts dagegen, lieber fährt er uns spazieren, statt in der Werft zu arbeiten. Wenn ihm nur nicht Maria immer im Nacken sitzen würde, auf die Zeit zu drücken. Einer der neuen, ein Südafrika-Amerikaner aus Fort Lauderdale, verbringt regelmäßig die Sommer im Mittelmeer. Dieses Jahr will er wieder nach Kroatien. Die Einwände der anderen, da sei es so teuer, kann er nicht verstehen. Er gehe in keine Marinas und in den Restaurants sei das Essen und der Wein günstig. Am späten Nachmittag statte ich Maria einen Besuch ab, um den Bügel für unser Bimini in Auftrag zu geben. Gaitano ist der Ansprachpartner. Da er kein Englisch spricht wird es etwas langwierig. Er muß den Auftrag an einen anderen weitergeben. Dieser unterbreitet telefonisch einen Kostenvoranschlag. Er will schon Samstag vorbei kommen und Montag soll alles fertig sein. Wir sind gespannt.

 

11.05.2009 Montag

Meldung des Tages: das Schiff ist frei von Teppichkleber. Im Gegensatz zum Navieck war die Küche fast angenehm. Um in alle Ecken zu gelangen musste ich mich immer wieder verrenken und im Sitzen, im Liegen und völlig verdreht schleifen. Die Größe der Fläche war hier wirklich geringer und der Kleber um die großen Scheiben war nicht so gemein wie auf der anderen Seite. Dennoch bin ich erst um 17.00 Uhr fertig. Die Aufräum- und Putzarbeiten ziehen sich wieder bis 19.00 Uhr.

 

 

10.05.2009 Sonntag

Heute machen wir einen Ausflug. Mit den Rädern fahren wir nach Corigliano. Dort steht noch vor der Stadt ein Einkaufszentrum, „Auchan“. Die Fahrt ist nicht ohne. Es sind zwar keine LKW unterwegs, dafür rasen die Ausflügler umso mehr. Im Einkaufszentrum ist vor allem das Angebot in den Kleiderläden überwältigend, vor allem die niedrigen Preise. An Thailand reichen sie nicht, aber günstiger als in Deutschland ist alles. Im eigentlichen Supermarkt schlagen wir zu, soweit es der Platz im Rucksack zulässt. Haferflocken (ganz normale ohne Müsli und so) finden wir leider keine, auch keine Konserven in Dosen. Das kommt in Italien anscheinend nicht auf den Tisch.

Zurück an Bord wird die Küche auf das Schleifen vorbereitet. Wir entdecken zwei Kakerlakenfallen, in denen ganz stattliche Exemplare kleben.

09.05.2009 Samstag.

Eigentlich wäre heute der Endspurt fällig gewesen, das Schleifen der Küche. Nach dem gestrigen Marathontag müssen wir noch Nachsitzen. Der Schrank und der Navitisch sind nicht sauber zu kriegen. Ich stürze mich ganz mutig auf die Elektrik und baue die alte Seefunkanlage komplett aus. Ich hoffe nur, dass ich keine Teile entsorgt habe, die für andere Geräte nötig waren. Um 17.00 finden wir mal die Zeit, eine Stunde im Cockpit zu lesen.

 

08.05.2009 Freitag.

Die Naviecke wird hermetisch abgedichtet, der Nachteil dabei ist, dass es hier kein Fenster zum Lüften gibt. Schon beim Abkleben wird es sehr heiß. Da habe ich so bei mir gedacht, alle Tricks der französischen Leimsieder zu kennen. Jedoch der Kleber um die Frontscheiben belehrte mich eines Besseren. Winkelschleifer, Topfbürste und ich gaben auf. Dem Kleber war nicht beizukommen. Ich freute mich über 5 mühsam vom Kleber frei geschliffene Zentimeter und musste feststellen, dass ich den Kleber nur um ein paar Zentimeter nach hinten verfrachtet hatte. Ich kam mir vor wie in einem Science Fiction Film. Die Topfbürste verstreute nach allen Seiten Fäden wie eine wild gewordene Spinne. Die Scheibe sah aus wie von einem Geflecht aus Spinnenfäden bedeckt. Wahrscheinlich hat sich durch die Hitze der Sonneneinstrahlung der Teppichkleber mit dem zum nachträglichen Fenstereinbau verwendeten Sikaflex verbunden. Die Freuden der weniger schönen Art setzten sich fort. Wegen des geringen Luftaustausches hatten sich meine Ausdünstungen an den Wänden niedergeschlagen und den Staub angefeuchtet. Der lies sich kaum zusammenkehren, bzw. saugen. Umso aufwendiger war die eigentliche Putzarbeit mit dem feuchten Lappen. Wäre dieser Tag unser erster Schleiftag gewesen, wir hätten wahrscheinlich aufgegeben. Um 20.00 Uhr sind wir fertig mit der Arbeit und der Welt.

07.05.2009 Donnerstag

Der restliche Dreck von der gestrigen Schleiferei wird mühsam aus allen Ecken und Ritzen entfernt. Das Basteln einer Abdeckung für ein im Saloneck entdecktes Loch verschlingt weitere Zeit. Die Vorbereitungen der Naviecke auf das Schleifen sind ebenfalls sehr mühsam. Um zwei Einlegeböden zu entfernen muss erst der Kasten mit der Elektrik sortiert werden, da zwei Kabel durch die Einlegeböden verlegt wurden. Beim Entfernen einer Handleiste erklingt ein leises Pling und ich sehe durch die Schiffswand den blauen Himmel. Die Hülse für die Schraube war wohl schon länger abgebrochen, das dichtende Silikon zerbröselt. Unser Vorrat an Schrauben und Muttern ist sehr umfangreich aber genau diese Größe fehlt. Für die am geeignetsten erscheinende ist das Loch z klein und muss per Bohrer vergrößert werden. Die Utensilien für den Schleiftag werden bereit gelegt und das wars dann.

06.05.2009 Mittwoch

Der Salon, eigentlich nur viel blanke Decke, über die man kurz drüber schleift und ein paar Flächen um die Fenster. Wenn, ja wenn nicht alles über Kopf wäre. Und die Decke war doch in einigen Bereichen voller Kleber. Viele Pausen waren die Folge, da der Winkelschleifer immer schwerer wurde. Das erfreuliche am Abend, unsere Abklebungen waren sehr dicht. Navi und Küche sind staubfrei geblieben. Mit Kehren, Saugen und Putzen wird es 20.00 Uhr. Und ausgerechnet heute suchen uns erstmals die Mücken heim.

05.05.2009 Dienstag

Pausentag. Der beginnt mit Umräumen und abschließendem Putzen des Kammerls, der Bodenbretter und der Fächer darunter. Diese werden mit Schwimmwesten (14 oder mehr) aufgefüllt. Es folgt das große Umräumen, der Salon wird geleert, alles wandert ins Kammerl.

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