Habanera

Große Fahrt in kleinen Schritten

Schiffskauf

Als Mädchen aus dem Kohlenpott wusste ich natürlich genau wo man Schiffe findet. Auf der Boot in Düsseldorf, wo sonst?

Bei dem Angebot blieb uns fast die Luft weg, bei den Preisen allerdings auch.

Aber schon beim ersten Messebesuch fanden wir unser Traumschiff eine 52.2 Sun Odyssey von Jeanneau. Wie schaffen die es nur soviel Platz zu bieten? Wir haben uns so viele Schiffe angeschaut, natürlich auch die sündhaft teuren Schweden, aber nichts konnte mit dem Raumangebot und dem Preis von Jeanneau konkurrieren. Das war es also, unser Traumschiff. Jahrelang hatten wir nichts anderes im Kopf als unsere „Sun“.

2003 kauften wir als Einstieg in unsere Seglerlaufbahn unsere erste Habanera, eine Bavaria 32 um im Urlaub das Leben auf dem Schiff etwas zu testen. Um die finanzielle Belastung gering zu halten und lange Anfahrten zu sparen, lief Habanera in Pula (Kroatien) in Charter. Auch wenn Michi jedes Jahr bei Ankunft und Aufenthalt in Pula erneut in depressive Stimmung verfiel (unser Mast war der kürzeste am Steg), waren wir mit unserem Schiff sehr zufrieden. Selbst eine Fahrt über den Kvarner bei Bora mit bis zu 45 kn. Wind konnte ihr nichts anhaben. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir gleich auf große Fahrt gehen können.

Bei unserem dritten Messebesuch in Düsseldorf gab es auf einmal ein riesiges Angebot an Katamaranen. Ist ja klar, dass wir die anschauen mussten. Bei dem gebotenen Platz und der Helligkeit  war selbst ich sprachlos. Das wäre doch auch was für uns. Der Gedanke ließ uns nicht mehr los. Dann begannen die Diskussionen, was eignet sich besser für unser Vorhaben, ein Rumpf oder doch besser zwei? Der Katamaran gewann.

Die ernsthafte Suche nach unserem Katamaran begann 2006. Wir hatten natürlich schon vorher das ein oder andere Auge auf die Annoncen in der Yacht geworfen, dass große AH- Erlebnis war allerdings nicht dabei. Da hatte das Internet schon eine ganz andere Auswahl zu bieten. 2006 lockte natürlich der für uns sehr günstige Dollarkurs dazu, auch ein Auge auf Schiffe in Übersee zu werfen. Es dauerte gar nicht lang bis wir Kontakt zu einem Makler auf Tortola (BVI) aufnahmen. Im Jahr darauf machten wir uns auf den Weg um uns dort einige Schiffe anzuschauen. Der Makler war sehr nett und bemühte sich rührend um uns. Von den angebotenen Schiffen waren wir allerdings etwas enttäuscht. Sie waren erst max. 6 Jahre alt aber nicht unbedingt das was wir uns vorstellten. Vielleicht waren wir von unserer Wartungs- Crew in Kroatien verwöhnt oder die vorwiegend amerikanischen Charterer schert es wenig, wie sie mit den Schiffen umgehen. Ein weiterer Minuspunkt war, dass wir dass Schiff für sehr viel mehr Geld als geplant EU konform hätten nachrüsten müssen. Auch die noch zu zahlende Mehrwertsteuer hätte kräftig zu Buche geschlagen. Dadurch wäre die Ersparnis durch den günstigen Dollarkurs auf nahezu null geschrumpft.  

Also weiter suchen. Michi wurde im Internet fündig. Mehr aus Spaß setzte er sich mit einem Makler in Verbindung der einen Katamaran anbot der in Nizza vor Anker lag, auch wenn dieser viel größer war als vorgesehen. Außerdem war er teurer als die Angebote aus Übersee. Es entstand sehr schnell ein reger Kontakt zwischen den Beiden. Auch bei uns gingen die Diskussionen und die Rechnerei wieder los. Der Katamaran war wirklich sehr gut ausgestattet, er war EU konform und auch die Mehrwertsteuer war kein Thema mehr.

totalansicht.JPGEtliche Mails später entschlossen wir uns, ihn im Juni 2008 zu besichtigen.

Der Makler vereinbarte ein Treffen und einen Probetörn mit dem Eigner. Mein allererster Gedanke war: S O V I E L  S C H I F F….! Es ist natürlich auch völliger Blödsinn, damit anzufangen, eine Bavaria 32 mit einem 49 Fuß Katamaran zu vergleichen. Das sind zwei vollkommen verschiedene Welten. Wir bemühten uns zu Handlungszwecken unsere Begeisterung in Grenzen zu halten. Der Preis war uns einfach zu hoch. Wieder daheim gab Michi sein Angebot ab. Der Eigner hielt dagegen, war aber damit einverstanden, einen erneuten Termin mit uns und einem Gutachter zu vereinbaren.

 

 

 

habanera-am-haken.JPGIm August gingen wir gemeinsam mit dem Gutachter an Bord, der das Schiff bis in den kleinsten Winkel kontrollierte. Als es dann zur Begutachtung des Unterwasserschiffs an Land gekrahnt wurde standen wir beide ganz ehrfürchtig da. Wirklich ein erhabener Anblick für uns. Der Gutachter hatte keine entscheidenden Mängel am Schiff finden können, soviel hatte er uns am Ende eines wirklich langen Tages noch mitgeteilt. Ansonsten verwies er auf sein schriftliches Gutachten, dass er uns so bald wie möglich zukommen lassen würde. Der Makler riet uns zum Abschied, unser Angebot deutlich zu erhöhen, wenn wir das Schiff haben möchten. Ausgerechnet bei mir brach dann der Hang zum Feilschen durch. Ich riet Michi dazu, nur einen Teil von dem mehr zu bieten  als der Makler vorschlug. Warum sollte man bei einem Schiff anders handeln als bei Tomaten? Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, das die Nachfrage nach einem so großen Schiff derart groß war. Der Eigner konnte ja immer noch ablehnen und wir konnten das Angebot noch erhöhen. Das schriftliche Gutachten kam natürlich viel später als gedacht. Danach gab Michi sein Gebot ab. Einige Tage später saß er völlig perplex vor dem Bildschirm des Computers, er konnte es einfach nicht fassen. Der Eigner hatte unser Angebot angenommen! Wir hatten gepokert und tatsächlich gleich gewonnen. Als ich nachfragte, was ich denn nun als Beraterhonorar bekäme, erntete ich allerdings nur einen bösen Blick.

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